23.08.2015

Jedem Seelchen wünschen wir sein Schneckenhaus, in dem es Schutz, Geborgenheit und Liebe erfahren darf. Doch wir als Tier Refugium Wegberg e.V. müssen uns nach einer sehr belastenden Zeit aus der Katzenhilfe zurückziehen. Mit Kastrationsprojekten und unseren Kastrations-Gutscheinen werden wir weiter helfen. Doch wir kehren zurück zu dem was wir ursprünglich sind - ein Gnadenhof.

Die Gründe hierfür möchten wir Euch gerne erläutern. Wie vielleicht bekannt, wird der gesamte Gnadenhof mit Eseln, Schweinen, Schafen, Hühnern, Gänsen, Enten und Hunden Tag für Tag von EINER Person erledigt. Misten, Füttern, Pflege und Mails, Telefonate etc. füllt an sich schon einen 12- Stunden-Tag. Nancy betreut vor und nach ihrer Arbeit das Katzenhaus mit derzeit 23 Katzen (die meisten von ihnen sind Streuner und dementsprechend scheu, teilweise chronisch krank oder alt und daher mit sehr wenig Chancen auf ein eigenes Zuhause.

Bei uns leben dann privat die Niemands-Katzen. Das sind Katzen, die als verletzte Katzen bei unserer Tierärztin abgegeben wurden, und eigentlich aus Kostengründen eingeschläfert werden sollten oder verletzte Fundkatzen, die kostspieliger Behandlungen bedurften. Dieses Jahr waren es drei. Dann gibt es die Pflegestelle bei Heike, die dieses Jahr besonders viele Kitten zu betreuen hatte. Darüber hinaus waren Heike, Kerstin und Melanie immer zur Stelle wenn es hiess, dass irgendwo unkastrierte Katzen einzufangen waren. Tierarztfahrten hin und zurück.... meist 4-5 x die Woche entweder kranke Katzen oder zu den Kastrationen zum Tierarzt fahren. Auch Svenja hat dieses Jahr sich um Kitten gekümmert, weil wir bei uns einfach keinen Platz mehr hatten. Das bedeutet, dass Antonia nicht nur den Gnadenhof schmeissen , sondern auch mit den Pflegestellen koordinieren, sich um eingehende Notfälle kümmern und das Telefon, Mails, PNs betreuen muss. Nach drei intensiven Jahren müssen wir die Reissleine ziehen. Wir schaffen es einfach nicht mehr.

Zuviel blieb liegen in den letzten Monaten und Jahren. Wichtige Reparaturen, Anschaffungen usw für die Gnadenhoftiere wurden aus Zeit und Kostengründen immer und immer wieder zurückgestellt. Es ist nun an der Zeit, dass unseren Pfleglingen wieder mehr Zeit und Fürsorge zugute kommt. Auch haben wir unser Privatleben fast komplett hinten angestellt. Der Stress, die Belastungen, die Sorgen, die langen arbeitsintensiven Tage und immer das Gefühl im Nacken, dass wir vieles nicht geschafft haben und liegen lassen mussten. All das führte auch zu länger andauernden Erkrankungen und zwei Krankenhausaufenthalten.

Die größten emotionalen Tiefschläge haben wir durch Katzenfälle erhalten. Einige Katzenhalter haben uns sehr zugesetzt, Fundkatzen wurden uns zugetragen und von uns wieder zurückgeführt. Am Ende wurden wir an den Pranger gestellt. Das ganze viermal dieses Jahr in mehr oder weniger ähnlichem Verlauf. Viele andere Dinge haben uns es verdammt schwer gemacht. Ob es Ämter, Anfeindungen, Repressalien oder Anzeigen durch Tierschutzkollegen waren... es geht nicht mehr in diesem Tempo.

Den letzten Schlag gab uns aber ein fieser Virus in unserem Katzenbestand. Trotz vorheriger Quarantäne bei allen neu ankommenden Katzen, hat sich bei uns ein Virus breitgemacht.Der Monat August 2015 wir uns in sehr trauriger Erinnerung bleiben. Bis gestern sind uns (bei Pflegestelle + Katzenhaus) insgesamt 18 Katzen gestorben. Gestern ist auch das 3. Baby von Betty gestorben, nun hatte es seine vier Lebenswochen voll und doch hat es nicht sein sollen... Betty ist eine wilde Mami, die vier Babys bei uns geboren hat und nachdem in den ersten beiden Wochen 2 gestorben sind, schien das schlimmste überstanden zu sein. Gestern dann die böse Überraschung. Wir hoffen nun dass es das letzte Baby schafft.

Leider ist das Ergebnis aus der Pathologie immer noch nicht da, so dass wir nicht wissen, was es genau ist, was uns den Boden unter den Füßen wegreisst. Die bisherigen Tests brachten keine Klarheit. Ob Parvo, FIV oder FeLV - alles negativ. Bakteriell konnte ebensowenig etwas nachgewiesen werden. Neben dem Quarantänezimmer ist  daher auch das Katzenhaus bis auf weiteres von uns unter Quarantäne gestellt worden. Wir nehmen nichts auf und es geht nichts raus. Denn für jede Katze, die wir aufnehmen würden, könnte es ein grosses Risiko bedeuten. Zudem würde sie neue Bakterien oder Viren mitbringen und die geschwächten Katzen zusätzlich belasten. Dasselbe gibt für Besucher. Auch sie könnten etwas rein- oder eben raustragen. Seit drei Wochen sind wir intensiv mit der Pflege, Medizingabe und akribischem Putzen beschäftigt. Ist man mit dem letzten fertig, kann man mit dem ersten wieder anfangen. Einige brauchen 2x täglich Infusion. Bei den wilden Katzen gestaltet sich eine Spritzengabe doch etwas schwieriger und somit zeitaufwendiger. Aber wir geben keinen auf, jedes Seelchen hat es verdient dass wir unser Bestes geben. Die Katzen, die diese schlimme Zeit überstehen, werden bei uns bleiben und werden somit unsere Gnadenhofkatzen.

Somit schliesst sich dann unser Kapitel und müssen auch in Zukunft Abgabekatzen sowie Fundkatzen an das Tierheim Heinsberg verweisen. Das Tierheim ist über unsere Entscheidung seit heute auch telefonisch informiert. Als Auffangstation für Wildtiere, Wildvögel sowie für Kleintiere (ausser Hunde und Katzen) sind wir als Gnadenhof weiter tätig. Nach der Erstversorgung werden sie dann je nach Kapazität den entsprechenden Wildtierstationen oder einer Endstelle zugeführt. Doch auch ohne Notfälle sind wir mit dem Gnadenhof gut ausgelastet. Danke für das Verständnis......

Nachtrag: Haben ganz vergessen, dass auch für das Fortbestehen des Tier Refugiums und der Tierhilfe wir weiterhin jede Hilfe brauchen. Gerade alte und kranke Tiere benötigen mehr Zeit und erfordern mehr tierärztliche Hilfe. Wir hoffen somit weiter auf Eure Unterstützung. A.G

Kastrationsgutscheine

Das Tier-Refugium bietet ab sofort Kastrationsgutscheine für Katze / Kater bei nachweislicher finanzieller Notlage an

Zuzahlung bei Ausgabe des Gutscheins: 30.- Euro (unabhängig vom Geschlecht des Tieres)

Der Verein hat sich dem gemeinnützigen Tierschutz verpflichtet. Die Kastration von Katzen zur Verringerung der unkontrollierten Vermehrung stellt eine anerkannte Tierschutzaktivität dar. Deshalb übernimmt der Verein die über den Eigenbetrag hinausgehenden Kosten.

Wichtig: Diese Gutscheine sind nur bei unserer Tierärztin Dr. Otten in Mönchengladbach-Hardt gültig. Bitte vereinbaren Sie mit ihr innerhalb von 3 Wochen nach Ausgabe des Gutscheins einen Termin (Tel.: 0 21 61 - 55 11 88).

Auch kann sich die Ausgabe von Kastrationsgutscheinen nur an Personen richten, deren finanzielle Lage nachweislich die alleinige Finanzierung der Kastration als nicht möglich erscheinen läßt. Entsprechende Nachweise sind dem Verein vorzulegen.

Der Gutschein umfasst die Kastration des Tieres sowie die Kennzeichnung mittels Tätowierung. Der Halter verpflichtet sich das Tier mit der Kennzeichnung bei einer entsprechenden Stelle, z.B. TASSO e.V., zu registrieren.

Es besteht kein Anspruch auf einen Kastrationsgutschein! Der Verein entscheidet bei jedem Einzelfall ob die Unterstützung gewährt werden kann.

Unser Gnadenhof

Ein Gnadenhof als Mahnmal für eine Gesellschaft, in der Tiere immer noch als Spielzeug, Ware, Sportgeräte etc. gesehen werden.

Was im Kleinen begann, ist mittlerweile zu einer bekannten Anlaufstation für Notfälle geworden. Wir sind mit der Aufgabe gewachsen und mit uns auch unser Gnadenhof. Obwohl wir eher "im Stillen" agiert haben, erreichen uns zunehmend Hilferufe, aber auch Anfragen nach vermittelbaren Tieren, was uns natürlich umso mehr freut. Es ist immer wieder ein schönes Gefühl, Tiere in ein neues Zuhause zu entlassen, wohl wissend, dass es ihnen dort gut geht.  Natürlich geschieht das auch immer mit einem weinenden Auge. Wenn man mit den Tieren durch Tiefen gegangen ist und mit ihnen gehofft und gezittert hat, dann wachsen sie uns natürlich ans Herz. Immer wieder ermunterten uns Freunde, eine Website zu erstellen, nicht zuletzt, damit sie immer auf dem neuesten Stand sind und stets auf Fotos zugreifen können. Diesem Ruf sind wir hiermit gefolgt. Lächelnd   

Unser Gnadenhof liegt sehr schön am Feldrand in Wegberg/Rath-Anhoven. An unserem Wohnhaus befindet sich ein separater Anbau mit einem schönen Innenhof, der bei Bedarf auch Freigang ermöglicht, ohne dass unsere Pflegetiere ausbrechen können. Ein separates Zimmer dient als Quarantänestation oder Krankenzimmer für frisch operierte oder ruhebedürftige Pfleglinge.

Das Grundstück umfasst 2500 qm und vor 3 Jahren konnten wir es um weitere 3000 qm erweitern. Somit haben alle unsere Tiere genug Freiraum um sich von den Strapazen und Schicksalen zu erholen.

Seit Dezember 2012 sind wir eine "tierheimähnliche Einrichtung", d. h. nach Ablegung des Sachkundenachweises § 11 TierSchG, eine Begutachtung vom Veterinäramt sowie Erfüllung der dazu nötigen Auflagen wurde uns die Erlaubnis erteilt. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir irgendwelche öffentlichen Förderungen und Zuschüsse erhalten.

Zudem sind wir wegen Förderung der Vereinszieles „Pflege und Förderung des Tierschutzes“ durch Bescheinigung des Finanzamtes Erkelenz, StNr 208/5794/0610  vom 23.04.2014, als steuerbegünstigten Zwecken dienend anerkannt. Wenn Sie eine Spendenbescheinigung wünschen lassen Sie es uns bitte wissen.

Unsere Arbeit wird – wie davor auch – durch Spenden von lieben Tierfreunden aber hauptsächlich durch Eigenleistung finanziert. Alle eingehenden Spenden kommen 1:1 unseren Tieren zugute. Gesunde und junge Tiere, manchmal auch ältere Tiere werden von uns weitervermittelt. Einige von ihnen sind aufgrund ihrer Vorgeschichte oder Gebrechen schwer oder meistens gar nicht zu vermitteln. Diese haben entweder bei uns oder auf einer unserer 3 Pflegestellen lebenslanges Bleiberecht.

Unsere Hilfe:

  • Wir helfen in Not geratenen Haustiere und Wildtiere (von der Schwalbe, über Igel, Geflügel, Hunden, Katzen, Nager, Schafe bis hin zum Esel) bzw. leiten sie an fachkundige Tierschützer weiter.
  • Wir bieten Notfällen eine Zuflucht.
  • Wir vermitteln unsere Pfleglinge in ein liebevolles und verantwortungsbewusstes Zuhause.

Unser Hof ist für viele Tiere ein Zuhause auf Zeit. Für die Gnadenhoftiere ist es ein Zuhause für immer. Auf diesen Gedanken basieren all unsere Ziele und unser Handeln.

Trotz der vielen schlaflosen Nächte, die wir in Bangen und Hoffen bei unseren Notfällen bisher verbracht haben, stehen wir nach wie vor voller Zuversicht und Freude zu unserer Tierhilfe. An dieser Stelle bedanken wir uns auch bei unseren Nachbarn, die mit Interesse und Toleranz uns das Leben mit all den Tieren nicht schwer machen. Natürlich stoßen wir auch auf Unverständnis, da es für einige nicht so selbstverständlich ist, Tieren zu helfen, die sonst keine Lobby haben und kein Gehör finden. Vor allem wenn wir horrende Tierarztkosten in Kauf nehmen, um Leben zu retten, die uns einfach "auf die Fußmatte" gelegt werden und es "ja gar nicht unsere eigenen" sind. Vielen Dank hier auch an unseren lieben Tierarzt. Er unterstützt uns mit fairem Honorar und selbstlosem Einsatz rum um die Uhr!

Tiere können nicht für sich selbst sprechen. Und deshalb ist es so wichtig, dass wir als Menschen unsere Stimme für sie erheben und uns für sie einsetzen. (Gillian Anderson)

Wer aber die Augen aufmacht, der erwacht aus dieser Sicherheit und sieht, was alles geschieht, wenn keine Menschen da sind, die über die Kreatur wachen. (Albert Schweitzer)

Die vermeintliche Rechtlosigkeit der Tiere, der Wahn, dass unser Handeln gegen sie ohne moralische Bedeutung sei, dass es gegen die Tiere keine Pflichten gäbe, ist geradezu eine empörende Rohheit und Barbarei. Erst wenn jene einfache und über alle Zweifel erhabene Wahrheit, dass die Tiere in der Hauptsache und im Wesentlichen dasselbe sind wie wir, ins Volk gedrungen sein wird, werden die Tiere nicht mehr als rechtlose Wesen dastehen. Es ist an der Zeit, dass das ewige Wesen, welches in uns, auch in allen Tieren lebt, als solches erkannt, geschont und geachtet wird." (Schopenhauer)